Mein Kommentar zu “Wir brauchen eine europäische Suchmaschine” (FAZ vom 19.07.2011)

Auf Bitten von Christoph Kappes habe ich folgenden Kommentar zu “Wir brauchen eine europäische Suchmaschine” (von Frank Schirrmacher, FAZ vom 19.07.2011) auf Google+ gepostet, jetzt nach kurzem Urlaub hier nun auch im Blog.

Brauchen wir tatsächlich eine europäische Suchmaschine?

Wenn es schon Microsoft / Yahoo nicht schafft, gegen Google anzukommen, wie soll dann ein aus EU-Töpfen finanziertes, in Konsortien geplantes, öffentlich-rechtlich gespeistes oder gar staatliches Instrument praktisch aus dem Boden gestampft der Nummer eins den Rang strittig machen? Es geht doch gerade nicht um die Technologie an sich, sondern um die klugen Köpfe dahinter. Ohne die smarten Software-Engineers, UX-Experten sowie die cleveren Marketing-Fachleute fände Googles Erfolgskurs ein jähes Ende.

Was sollte man also tun?

Man müsste einerseits zusehen, dass die Marktschranken niedrig genug sind, damit Startups (wie Google es auch einmal war) entsprechend starten können. Hierzu gehören risikofreudige Kapitalgeber, universitäre Spin-Off Unterstützung und vor allem Zulieferer, die den Startups den Job leichter machen. Vor allem ein Crawling-Provider. Das Crawling der Dokumente ist ein großer Batzen Arbeit. Etablierte Institutionen wie das Internet Archive oder das European Archive könnten hier erste Anlaufstellen sein. Diese können gerne von weiteren, unabhängigen Stellen kontrolliert werden. Das Ranking hingegen sollte weiterhin die Secret Sauce der Suchmaschinen-Firmen bleiben können.

Andererseits, und das ist das mittelfristig leichtere, sollte man für Google Anreize schaffen, entsprechende Such-Infrastruktur in der EU aufzubauen. Google ist ja kein Opponent, sie halten sich eben nur an andere Gesetze, nämlich die der USA, und die sind eben insbesondere beim Datenschutz lockerer. Google wäre nichts anderes als Telekom oder Siemens, wenn sie in Deutschland voll Steuern zahlten. Auch bei der Forschungsabteilung hat man sich gerade nicht für die EU, sondern für die Schweiz (Zürich) entschieden. Über die Gründe sollten die Verantwortlichen in den EU-Mitgliedsstaaten nachdenken.

Das eigentliche Problem

Herr Schirrmacher hat es in seinem Artikel ja schon beschrieben. Die Zeiten ändern sich. Informationen/Wissen wird ausgelagert und ist trotzdem überall und jederzeit abrufbar, Smartphone sei Dank.

Informationen und Wissen werden mehr und mehr statistisch aus massiven Datenbeständen herausgearbeitet (“Data Science”: Data Mining, Machine Learning, Stochastische Modellierung usw.) Diese Daten haben einen Wert, genauso wie die Aufarbeitung. Die Gesellschaft insgesamt muss sich das bewusst machen. Wir müssen deswegen nicht auf unsere Privatsphäre verzichten, aber ein bisschen weniger unüberlegte Google-Hetze wäre schon wünschenswert.

Was haben wir in Deutschland gegen Googles Suchmaschine in Stellung gebracht? Theseus? MetaGer? Kennt jemand vielleicht noch YaCy oder Fireball bzw. WeFind? Habe ich was vergessen? Deutschland ist tiefstes Mittelalter im Bereich Suchmaschinen, und die Konzentration auf den Datenschutz-Aspekt droht uns Europäern das Kreuz zu brechen, weil eben US-amerikanische Firmen über das Internet problemlos auch in Deutschland präsent sind (allem voran Google und Facebook).

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Eine Antwort auf Mein Kommentar zu “Wir brauchen eine europäische Suchmaschine” (FAZ vom 19.07.2011)

  1. Durden sagt:

    Man erinnert sich da dunkel an die “europäische Suchmaschine” Quaero. Millardengrab.